Notfall-App in der Pilotphase

So sieht sie aus, die Notruf-App der Firma Lazarus Networks. NachAngaben des Geschäftsführers geht die Software jetzt in die Pilotphase.
Die nach Gütersloh umgezogene Firma kooperiert dabei mit der Rettungsleitstelle Münster.


Expansion: Software-Firma zieht von Bielefeld nach Gütersloh um

G ü t e r s l o h (WB). Der sich verschlechternde Gesundheitszustand seiner betagten Eltern hat ihn auf die Idee gebracht: »Auf jedes Smartphone gehört eine leicht zu bedienende Notfall-App«, meint Geschäftsführer Roman-Bendix Lazarus. Die Vision, ein solches, kostenloses Programm für Mobiltelefone oder Tablets auf den Markt zu bringen, hat das Berufsleben des Soesters komplett umgekrempelt: 2016 gründete der 47-Jährige sein eigenes Unternehmen, vorher hatte er eigenen Angaben zufolge in der Suchtmedizin gearbeitet. Erst seit wenigen Tagen ist die Firma in Gütersloh an der Carl-Bertelsmann-Straße in Büros von Sonopress zu Hause. »In Bielefeld war eine Expansion nicht mehr möglich«, sagt der Geschäftsführer. Der Dortmunder Standort der GmbH hingegen werde aufgegeben – die Beschäftigten arbeiteten zukünftig von Gütersloh aus.
Insgesamt 16 Mitarbeiter werden dann auf 300 Quadratmeternan der Carl-Bertelsmann-Straße 161 die Mobiltelefon-App zur Marktreife bringen. Die Entwickler kooperieren dabei nach Angaben ihres Chefs mit der Rettungsleitstelle in Münster. Mit der Gütersloher Kreisleitstelle sei ebenfalls eine Zusammenarbeit vorstellbar, dazu würden im September noch Gespräche geführt, so Lazarus.
Während das Unternehmen seinen Umsatz hauptsächlich mit Mediendesign erwirtschafte, soll die App kostenfrei als Download erhältlich sein. Die Träger der Leitstellen, also Kreise oder Kommunen, müssten die dazugehörige Software allerdings kaufen. Die Entwicklung habe bislang etwa 500.000 Euro verschlungen. Lazarus hofft, dass sich seine App bundesweit durchsetzt.
Sie bietet die Möglichkeit, die eigene Kranken-Agenda sowie Ansprechpartner und ähnlich wichtige Daten zu speichern. »Für die Rettungskräfte ist es von Vorteil zu wissen, wenn ein Patient bei 1,50 Meter Körpergröße 200 Kilo wiegt«, nennt Lazarus ein krasses Beispiel.
Tritt ein Notfall ein, könne die Leitstelle sofort erreicht werden, indem die App per Berührung aktiviert werde. »Über Video ist es für die Leitstelle möglich, sofort die Umgebung des Verunfallten einzusehen und gezielt Maßnahmen einzuleiten«, ergänzt er. Auch gibt es eine Chat-Funktion, sollte das Opfer nicht mehr sprechen können.
»Dank der übertragenen Daten des Nutzers, die individuell gespeichert wurden, hat der Notarzt die Möglichkeit, punktgenau zu handeln.« Mit dieser App, die zudem via Global Positioning System (GPS) den Standort des Nutzers übermittelt, will der 47-Jährige dazu beitragen, Menschenleben zu retten. »Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an«, fügt Andrea Kaßner (50), stellvertretende Geschäftsführerin, hinzu.

Andrea Kaßner (50) und Roman-Bendix Lazarus (47) führen das Software-Unternehmen jetzt von Gütersloh aus.


Quelle: Westfalen-Blatt Kreis-Guetersloh, von Carsten Borgmeier, Fotos: Carsten Borgmeier