Diese App hilft beim Notruf

Über das Handy-Programm, das Roman-Bendix Lazarus mit seiner Firma entwickelt hat,
lässt sich ein Notruf mit Mehrwert absetzen.


Innovationspreis
Die Initiative Mittelstand hat die Idee 2017 und 2018 mit dem Innovationspreis IT ausgezeichnet.
Das Programm ist patentge­schützt, das Antragsverfah­ren für ein weltweites Pa­tent läuft.


Die Idee hinter dem kleinen Handypro­gramm der Firma Lazarus: Wer über die App den Notruf verstän­digt, übermittelt automatisch alle für den Notfalleinsatz wichtigen Personendaten wie zum Beispiel Größe, Gewicht, Allergien oder Vorerkrankun­gen. Diese gibt der Benutzer vorher ein. Er kann auch auf­listen, welche Personen beim Absetzen eines Notrufs ver­ständigt werden sollen.
Chef Roman-Bendix Laza­rus nennt weitere Vorteile: Die Leitstelle kann exakte Da­ten zur Ortung und Einschät­ zung der Situation abrufen. Übertragen werden auch Geokoordinaten — hilfreich, wenn sich Notrufende an ei­nem ihnen unbekannten Ort befinden oder in einer Ge­gend, in der es keine Infra­struktur gibt, wie Strand, Wald oder Gebirge. Dann lässt sich ihre Position auf ei­ner Karte visualisieren.
Selbst eine Videoübertra­gung ist möglich. So können sich Einsatzkräfte schon im Vorfeld ein Bild von der Situa­tion oder von der Schwere der Verletzungen machen. Das Video ist optional abruf­bar. Für hörgeschädigte Per­sonen ist in der App eine Chatfunktion eingerichtet, so­dass sie schriftlich mit der Leitstelle kommunizieren können. Dabei ist das Pro­gramm so einfach gehalten, dass der Grundschüler wie die 85-jährige Dame es bedie­nen können. In den Leitstel­len soll sie die Koordination der Einsätze verbessern — und dadurch sogar Kosten sparen.


Sorge um die Eltern
Entwickelt hat die App das Dortmunder Unternehmen Lazarus, gegründet 2016. Die Sorge um seine Eltern brachte den Firmeninhaber auf die Idee. „Sie werden nicht jün­ger, wohnen etwas außerhalb und meine Mutter braucht Sauerstoff“, zählt er auf. So entstand „Helpme“ (Hilf mir). „Denn das Handy hat heute fast jeder immer dabei.“
Das war vor drei Jahren. Bendix kündigte seinen Job in der Suchthilfe im Sauerland und machte sich selbststän­dig. Die Notruf-App ist das Vorzeigeprojekt der Firma, die auch Web- und Mediende­sign anbietet und sich für Chancengleichheit und Barri­erefreiheit einsetzt. „Wir ha­ben im Vorfeld eng mit Leit­stellen deutschlandweit zu­sammengearbeitet“, betont Bendix. Und die Anmerkun­gen der Menschen an der Basis aufgenommen.
Die App soll für den Endver­braucher kostenlos sein, Leit­stellen müssten eine Lizenz erwerben. Die Finanzierungs­frage stellt derzeit die größte Hürde dar. Noch für dieses Jahr ist zumindest die Einbin­dung einzelner Leitstellen in Pilotprojekten geplant.
Für die Dortmunder Feuer­wehr kommt die App derzeit nicht in Frage. „Aber es wäre uns natürlich eine Herzensan­gelegenheit, sie auch hier zum Einsatz zu bringen“, sagt der Firmenchef. Die Kollegen aus der Leitstelle in Münster sind jedenfalls begeistert: Man sei von diesem Produkt überzeugt, unter anderem durch den Mehrwert, den es biete, betont Christian Bieber, Leiter Technik der Leitstelle. „Damit würde das bis jetzt verwendete, veraltete Faxge­rät endlich wegfallen.“


Quelle: Dotmunder Zeitung (Ruhr Nachrichten), von Nicole Giese, Foto: Meine