Das Handy als Lebensretter

Einfache Bedienung: Die Lazarus-App besticht durch simple Funktionen und ein übersichtliches Design. Software-Entwickler Roman Lazarus und seine Kollegen haben zwei Jahre an der App Gearbeitet, die 2019 auf den Markt kommen soll.


Technik 2.0: Der Software-Entwickler Roman Lazarus hat eine Notfall-App für Smartphones entwickelt.
Damit kann der Nutzer sogar per Video-Chat mit der Rettungsleitstelle kommunizieren


Gütersloh. Die Eltern von Roman Lazarus sind über 70 Jahre alt. Er mache sich daher schon so seine Gedanken, sagt Lazarus. Vor allem, was die Ge­sundheit und mögliche Not­fälle angehe. Deshalb hatte er vor einigen Jahren die Idee, eine Notfall-App zu entwer­fen. Eine App, die mehr kann, als nur einen Notruf absetzen. Im Herbst beginnt die Pilot­phase des kleinen Lebensret­ters, der „Lazarus-App“ hei­ßen wird. Im kommenden Jahr soll die App auf den Markt kommen.
„Was ist, wenn wirklich ein­mal etwas passiert?“, fragt sich Roman Lazarus. Wenn seine Eltern, Freunde, Bekannte oder er selbst einen Notarzt brau­chen. „Die klassischen Haus­notrufe“, so Lazarus, „sind gut, aber nicht optimal.“ Im Zwei­felsfall komme es auf Sekun­den an: „Und dann ist einfa­che Kommunikation lebens­wichtig. Sowohl für den Be­troffenen, als auch für die Men­schen in den Leitstellen.“ Sei­ne Vision: Eine App für Smart­phones, die diese Kommunikation vereinfacht und be­schleunigt. Seit zwei Jahren arbeitet der Softwareentwick­ler gemeinsam mit seinen Kol­legen an dieser Vision, nun steht sie vor ihrer Voll­endung. Eine Demoversion soll ab Herbst im Google Playsto­re erhältlich sein BERICHTIGUNG: Die Demo-Version der Notfall-App ist bereits jetzt im Google Playstore erhältlich. Benutzer von Apple-Geräten müssen sich noch gedulden, sagt Lazarus.

Kommunikation, ohne viele Worte zu verlieren

Dabei besticht die App durch eine einfache Bedie­nung und ein übersichtliches Design. Über die Ziffernfolge 112 kann direkt ein Notruf ab­gesetzt werden. „Der Notfall kann dann klassisch durch Sprechen mit der Leitstelle auf­gegeben werden. Aber nicht nur das“, erklärt Lazarus die Besonderheit seiner Notfall­App.
Zum einen sei es auch mög­lich, via Live-Chat über die Ka­mera des Smartphones mit der Leitstelle in Kontakt zu treten. Das erleichtere vor allem die Arbeit in der Leitstelle, so Lazarus: : „So kann man sich ein­facher ein Bild von der Lage oder dem Verletzten ma­chen.“ Dritte Möglichkeit, mit der Leitstelle in Kontakt zu tre­ten, sei die Textnachricht. Das sei vor allem für Sprach- und Hörgeschädigte von Vorteil, so Lazarus: „Viele von ihnen trau­en sich aufgrund ihrer Erkran­kung gar nicht mehr vor die Haustür. Das soll sich durch diese App jetzt wieder än­dern.“ Eine schnelle Kommu­nikation, ohne viele Worte zu verlieren, das sei das Ziel, so La­zarus.
Gleichzeitig können Nutzer der App persönliche Daten wie Gewicht, Größe und Alter angeben. Auch das vereinfache Einsätze, wenn zum Beispiel schon vorher feststehe, dass das Opfer adipös sei. Auch über­trägt die Smartphone-App den Standort des Verunfallten: „Ob an einem Strandabschnitt, mit­ten im Wald oder in einer un­bekannten Stadt. Keiner muss dann Zeit damit verbringen, den genauen Standort heraus­zufinden. Das regelt die App ganz von alleine.
„Und das alles kostenfrei. La­zarus: „Der Notruf ist kosten­los, und das soll er trotz die­ser App mit weiteren Funk­tionen auch bleiben.“ Auch für die App muss man nichts zah­len. Die Bedienung sei so einfach, dass sie jeder Grund­schüler oder auch Senior im hohen Alter verstehen könne. Für die Zukunft plant Lazarus unter anderem eine Überset­zungsfunktion: „Wenn der Notruf zum Beispiel auf alba­nisch abgesetzt wird, erhält die Leitstelle sofort die passende Übersetzung.“

Zusammenarbeit mit Leitstelle Güterslohgeplant

Zurzeit kontaktieren Laza­rus und seine Kollegen Ret­tungsleitstellen — und das bun­desweit: „Die Lazarus-App hilft natürlich nur, wenn die Leit­stellen auch mitmachen. Die technischen Voraussetzungen für die Umsetzung sind aber gegeben.“ Viele seien offen und interessiert, wollen die App einsetzen: „Es geht einfach um eine Optimierung der Einsät­ze, es sparrt Zeit und rettet viel­leicht auch Leben.“ Auch mit der Gütersloher Leitstelle will Lazarus in naher Zukunft in Kontakt treten: „So eine Not­ruf-App ist ein Bedürfnis des digitalen Zeitalters.“


Das Software-Unternehmen

  • Lazarus Networks, das Unternehmen von Roman Lazarus, arbeitet in der Software-Entwicklung und im Bereich des Web-Me­dien-Designs.
  • Der Firmenhauptsitz liegt in Soest, seit dem 1. August gibt es auch eine Abteilung an der Carl-Ber­telsmann-Straße in Gütersloh.
  • Dort sind bislang 16 Mitarbeiter beschäftigt, Lazarus ist aber weiter auf der Suche nach Fachkräf­ten: „Wir arbeiten auch mit vielen beeinträchtigten Menschen in unserem Unternehmen zusammen. Das zählt zu unserer Phi­losophie.“

Quelle: NW Gütersloh, von Alexander Lange, Foto: Alexander Lange